Ärger als Geheimnis des Erfolges

Vom selbstgebauten Bugatti, über die Münch-Mammut bis hin zur Solartechnik: der rastlose Unternehmer Thomas Petsch

 

Erfolg kann so einfach sein. Während sich unzählige Berater über passende Strategien den Kopf zerbrechen, bringt Thomas Petsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der a+f GmbH und ehemaliger Produzent der Motorrad-Legende Münch-Mammut, seine Formel auf einen einfachen Nenner: Innovation durch Unmut. „Das wichtigste ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich zu fragen: 'Was ärgert mich?'“, sagt der 49-Jährige.

 

(Text für IHK-Zeitschrift "Wirtschaft in Mainfranken WiM")

 

Um zu verdeutlichen, was er damit meint, holt er aus einer Klarsichttüte eine etwas seltsam aussehende Schraube mit Imbuskopf. Dann erzählt er von einem Solarmodul auf einer Anlage in Spanien, das weggeflogen ist, weil eine der Schrauben nicht korrekt befestigt war. Der Ärger ließ Petsch zusammen mit Mitarbeitern grübeln, wie sich so etwas künftig vermeiden lässt. „Der Teilschraubenkopf bricht ab, wenn er mit 18 Newtonmeter vorschriftsmäßig fest gezogen ist“, erläutert der gelernte Maschinenbauingenieur das inzwischen patentierte Ergebnis der Überlegungen. Damit sei die Befestigung nicht nur sicher, auch Diebe hätten es schwer, da sie weder mit Zange noch Schraubenzieher die Arretierung lösen könnten.

 

Ärger als Triebfeder brachte ihn schon mit 16 Jahren dazu, sich seinen eigenen Bugatti in der Werkstatt des Vaters zusammenzubauen. „Er wollte mir einen über zehn Jahre alten VW Käfer geben. Dann habe ich mir gesagt: Wenn das so ist, dann baue ich mir einfach selbst ein Auto“, erinnert sich Petsch. Zwei Jahre später war der Oldtimer fertig und er erhielt eine Sonderzulassung für sein Gefährt.

 

Faszination Photovoltaik

 

Ganz ähnlich lief es mit seinem derzeitigen Betätigungsfeld, der Planung und dem Bau von Solarparks im Süden Europas. Was ihn schon als Student faszinierte, die Photovoltaik, nahm Petsch ab 2004 intensiver unter die Lupe. Der dreifache Vater besuchte Messen und sammelte Informationen über Nachführsysteme, bei denen die Solarmodule dem Stand der Sonne folgen, was deutlich den Wirkungsgrad erhöht. Nur: Keines der Angebote entsprach seiner Vorstellung. Seine Frau gab dann den Anstoß, selbst tätig zu werden: „Wenn Du Dich darüber nur aufregst, warum baust Du nicht selbst ein Nachführsystem?“

 

Das war die Geburtsstunde des SunCarriers, der die Solarmodule alle zehn Minuten an den Sonnenstand anpasst. Die nötigen Informationen erhält der Antriebsmotor von einer SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung). Ausgerichtet wird der SunCarrier über ein Fahrgestell mit vier Radsätzen, welche sich auf einem Rundlaufschienen-System bewegen. Um das Ganze langlebig zu machen, wurde auf empfindliche Sensorik verzichtet und den Antrieb erledigt ein Planetengetriebe mit einer wartungsfreien Ankerkette.

 

Trotz des durchaus beeindruckenden Gewichtes von über 10 Tonnen ist die Anlage in der Lage, etwa ein Hindernis auf der Fahrbahn zu erkennen und schaltet dann sofort ab. Zwar kalibriert sich die dafür verantwortliche Steuerung selber, aber optional lässt sie sich auch komplett via Internet überwachen. Besonderes Augenmerk haben die Entwickler auf die Stabilität des Systems gelegt, welche sich in Windkanaltests an der Fachhochschule Aachen beweisen musste. So ist der SunCarrier im wahrsten Sinne des Wortes für alle Stürme gerüstet und hält sogar noch Windstärke 11 stand.

 

Die Anlagen made in Germany sind in ganz Europa gefragt, Mitte September meldete a+f einen Großauftrag aus Italien im Gesamtwert von 36,0 Millionen Euro. Im Auftrag eines deutschen Investors errichtet das Würzburger Unternehmen in Foggia (Region: Apulien) acht "SunCarrier"-Solarparks auf einer Fläche von 33 Hektar - das entspricht der Größe von rund 46 Fußballfeldern. Die installierte Leistung reicht aus, um 3.800 Vier-Personen-Haushalte jährlich mit Strom zu versorgen.

 

Der italienische Markt erweise sich weiterhin als erfolgreich und zukunftsträchtig, sagt Geschäftsführer Thomas Petsch. Aber der Blick geht wie immer bei ihm schon nach vorne: "Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf Südeuropa. Den wachsenden US-amerikanischen Markt gehen wir zeitnah an", so Petsch. Zudem seien schon Einzelanlagen in Indien geplant, derzeit entstehe eine Referenzanlage, um die Sonne auch in äquatornahen Regionen - insbesondere im Nahen Osten - optimal zu nutzen, in Dubai.

 

Der Erfolg – das Modul wurde inzwischen über 1500mal verkauft und brachte a+f im Jahr 2008 einen Umsatz von über 250 Millionen Euro - ruft billige Nachahmer in der Branche auf den Plan, was Petsch jedoch keineswegs Kopfzerbrechen bereitet. „Die sollen uns ruhig kopieren. Bis die unser Produkt in der jetzigen Qualität haben; bauen wir schon das übernächste“, sagt er mit sonorer Stimme. Mit Rechtsstreitigkeiten werde er seine Zeit nicht vertun, dafür sei sie ihm zu schade, fügt er an. Sein Blick schweift immer wieder durch die Glasfassade auf die Weite der Landschaft.

 

Diese Aussicht auf Würzburg ist für Petsch ebenfalls ein Bestandteil des Erfolges. „In einem kleinen Büro mit kleinen Fensterscheiben fällt mir nichts ein“, bekräftigt er. In der Weite des Blicks spiegelt sich auch die des unternehmerischen Denkens.

 

Dabei ist vor allem der moderne Neubau in einem Würzburger Industriegebiet Spiegelbild der ökologischen Ausrichtung: Es handelt sich um ein Null-Energie-Haus, das komplett ohne Primärenergie wie Gas und Öl versorgt wird. In der Fassade eingelassen sind nur auf den zweiten Blick erkennbar Solarkollektoren, das Dach ist begrünt und soll einmal die Fläche ersetzen, die durch das Gebäude weggenommen wurde. „Wer regenerative Energien anbietet, sollte im eigenen Haus keine fossile Energien verbrennen“, sagt a+f-Geschäftsführer Thomas Petsch. Das Engagement wurde auch honoriert von der Initiative Mittelstand mit dem Industriepreis 2008 in der Kategorie „Energie“. In der Begründung lobte die Jury das „innovative, interessante Produkt“ Sun Carrier.

 

Erfolg ist für Petsch Teamsache und deshalb ist er stolz auf seine „exzellenten Leute“, die er auch am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Seine Haltung drückt die Skulptur „Höchstleistung“ aus, die vor dem modernen Firmengebäude steht. Dabei balanciert ein Artist auf der Hand des anderen. „Der unten stehende kann etwas, dass der oben nicht kann und umgekehrt“, interpretiert der Vorstand. Er stelle auch immer wieder fest, dass seine Mitarbeiter viel mehr wüssten als er.

 

Der 49-Jährige ist überzeugt, ihnen dafür im Gegenzug einen sicheren Arbeitsplatz bieten zu können: „Die Finanzkrise wird wieder gehen, aber die Energiekrise bleibt uns über Generationen erhalten.“ Momentan gehöre a+f zu den zehn größten Systemintegratoren im Bereich Solartechnik weltweit. „Unser Ziel ist es aber, Marktführer zu werden“, gibt Petsch den Weg vor.

 

Der wird ihn sicherlich noch in andere Bereiche führen, denn Herausforderungen wie Elektromobilität und dezentrale Energieversorgung mit entsprechender Speichertechnologie sieht der trotz aller äußeren Ruhe doch rastlose Unternehmer noch genug. „Ich überlege mir jeden Tag, was für einen Blödsinn man noch machen könnte“, sagt er grinsend.

 

Für IHK-Zeitschrift "Wirtschaft in Mainfranken WiM"

 

 

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