Veitshöchheim bangt um DLO

Veitshöchheim Für Aufregung haben im Würzburger Vorort Medienmeldungen gesorgt, wonach die Division Luftbewegliche Operationen (DLO) in Veitshöchheim im Zuge der Bundeswehrreform vor der Auflösung steht. Davon könnten auch die Heeresflieger in Niederstetten betroffen sein.

 

(Für Main-Echo)


Auslöser war ein Vortrag des Kommandeurs der DLO Erhard Drews bei deren Neujahrsempfang, bei dem er die offene Zukunft der Division beschrieb. Demnach könnten zehn der 15 der DLO unterstellten Einheiten anderen Truppenteilen zugeschlagen werden. Dies sei aber keinesfalls als Entscheidung über die Auflösung zu verstehen, dementierte gestern auf Anfrage der Sprecher der DLO Markus Kirchenbauer. „Es handelte sich um mögliche Optionen, die in keinster Weise durch eine Entscheidung unterlegt sind, weder mündlich noch schriftlich“, sagte der Oberstleutnant auf Anfrage. Allerdings sei damit zu rechnen, dass die DLO und die Division Spezielle Operationen (DSO) mit Sitz in Stadtallendorf in einer neuen Division aufgehen. Deren Sitz sei aber noch offen, so Kirchenbauer.


Der Standort Niederstetten sei bei den jetzigen Planspielen noch nicht betroffen. Die Führungsebene habe jedoch schon verlautbaren lassen, dass der neue Transporthubschrauber CH53 bei der Luftwaffe stationiert werden soll, so Kirchenbauer. Für den ausgedienten Bell UH 1D könnte dann beim Transporthubschrauberregiment 30 der lang erwartete NH 90 stationiert werden.


Klar ist nach Aussage von Veitshöchheims Bürgermeister Rainer Kinzkofer (SPD) wohl, dass Teile der Einheit – etwa die Heeresflieger - im Zuge der anstehenden Bundeswehrreform an die Luftwaffe gehen sollen. „Seit Monaten ist offenbar bekannt, dass die DLO reduziert und als Division in Frage gestellt wird“, umriss er auf Anfrage den aktuellen Stand der Dinge. Die Zusammenlegung mit der DSO müsse jedoch nicht zwangsläufig das Aus für den Standort bedeuten, unterstreicht Kinzkofer. Offen sei noch, wo der Stab der neuen Division beheimatet sein wird „und wenn es eine sachliche Entscheidung gibt, spricht alles für Veitshöchheim“.


Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) unterstrich bei einem Termin am Freitag in Esselbach (Landkreis Main-Spessart), dass über die Zukunft der DLO noch nicht entschieden sei: „Dazu kann man noch nichts sagen, weil wir vor Weihnachten gerade erst die Rahmenzahl bekommen haben. Wir sind jetzt in der Grobplanung, dann folgt die Feinplanung.“ Er habe angekündigt, bis Mitte des Jahres eine Entscheidung zu treffen, dies werde er wohl auch einhalten können.


Bürgermeister Rainer Kinzkofer stellte die Bedeutung der Bundeswehr für die Gemeinde heraus: „Ein Abzug wäre auf jeden Fall ein herber Verlust.“ Die Gemeinde, welche seit 1964 Garnisonsstandort ist, hat andererseits schon Erfahrung mit Truppenabzügen. 1994 wurde hier die 12. Panzerdivision aufgelöst, welche auch zahlreiche Truppenteile im Main-Tauber-Kreis hatte. Danach zog die Panzerbrigade 36 in die Kaserne, ehe diese 2002 der Stab der aus 15 Einheiten in ganz Deutschland bestehenden DLO übernahm. Aktuell sind am Standort nach Auskunft der Gemeinde 1600 Soldaten und 300 Zivilangestellte beschäftigt.


Andererseits könnte für den Würzburger Vorort der Bundeswehrabzug die Chance bieten, das viel zu klein gewordene benachbarte Industriegebiet zu erweitern. Mit derartigen Gedankenspielen will sich Kinzkofer aber derzeit nicht befassen, sondern auf eine Entscheidung aus Berlin warten: „Da wird man dann eventuell neu überlegen und entscheiden müssen.“

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